Chronik

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Dorfstraße 1, Abriss von Franz Burmesters Bauernhaus, Mai 2015

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Wolfgang Tempel

Dorfstraße Nr. 1

„Nu isses wech!“ Dieser einfache, mit einem Schulterzucken ausgesprochene Kommentar sagt im Grunde alles, auf der anderen Seite aber auch nichts. Das kombinierte Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Familie Burmester gibt es nicht mehr. Für einige beginnt damit der Niedergang Klinkrades, für andere ist es der Lauf der Zeit.

Beim „lebendigen Adventskalender“ 2014 hat Franz Burmester es treffend gesagt: „Früher war dieses Haus voller Leben, heute findet hier nichts mehr statt.“ Durch diesen Anlass wurde die Tenne noch einmal für kurze Zeit mit Leben erfüllt. Doch alle wussten zu diesem Zeitpunkt schon, dass es zum letzten Mal war. „Warum nur? Dieses schöne Gebäude! Ein Jammer...!“ Dorfstraße 1, diese Anschrift gibt es bis auf Weiteres nicht mehr. Da ist es angebracht, etwas näher hinzuschauen:

Unsere Kulturministerin, Frau Anke Spoorendonk, hat mit einer umstrittenen Gesetzesvorlage für erhebliche Unruhe gesorgt.
Einstufung als gehobenes Kultur-Baudenkmal, das muss man als Eigentümer erst einmal verkraften. Das bedeutet nämlich, wenn saniert wird, nur unter den strengen Auflagen des Denkmalschutzes.
Bei dem im Jahre 1912 erbauten Haus wäre es das viel zitierte Fass ohne Boden. Abgesackte Fundamente, Entsorgung des Eternit-Daches, Sanierung des Dachstuhls, Kompletterneuerung der Rohr- und Elektroinstallation, Sanierung des Mauerwerks, Heizung, Fußböden...., die Liste ließe sich endlos fortführen, und das alles für rund 3000 m² Wohn- und Nutzfläche. Die Alternative wäre gewesen, das Grundstück mit einem Bauzaun einzuzäunen, „Betreten verboten“-Schilder aufzustellen und zuzusehen, wie das Haus nach und nach verfällt. Dies alles hat Franz Burmester sich und uns erspart und schweren Herzens den Abriss beantragt, der nach langer und intensiver Prüfung durch die Behörden schließlich genehmigt wurde.

Immerhin, es wird kein Einkaufszentrum gebaut oder ein Gewerbegebiet erschlossen. Was bleibt ist zunächst eine Schafweide und später vielleicht ein neues Wohnhaus. Viele vergleichen es mit dem Brand und anschließenden Abriss des Hofes der Familie Hansen. Die Alt-Klinkrader haben sich an den Anblick gewöhnt, die Neu-Klinkrader kennen es nicht anders. Ein Wahrzeichen Klinkrades ist verschwunden. Das bedeutet aber nicht den Niedergang des Dorfes. Franz Burmester hat das Für und Wider gegeneinander aufgewogen und diesen Entschluss gefasst. Das sollten wir alle respektieren.

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